Der Rapper „Haftbefehl“ ist eher nicht für seine Gender-Sprache, Feminismus oder Intellekt bekannt. Dennoch stilisiert ihn das linksgrüne Milieu gerade zum literarischen Genie. Dahinter steckt vor allem eines: Rassismus.
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Der Rapper „Haftbefehl“ ist eher nicht für seine Gender-Sprache, Feminismus oder Intellekt bekannt. Dennoch stilisiert ihn das linksgrüne Milieu gerade zum literarischen Genie. Dahinter steckt vor allem eines: Rassismus.

Ich gebe es zu: Ich kann Haftbefehl nicht leiden. Ich mag Rap prinzipiell nicht. Vor allem diesen Gangsta-Rap, der sich seit Sido in Deutschland breitgemacht hat.
Diese Art der Musik heißt für mich: Kunst, die nur darum kreist, kaputte Männer-Egos zu polieren. Ich finde es peinlich, wenn Männer so instabil sind, dass sie ihr Selbstvertrauen immer wieder durch Machogehabe, Geld, Luxus und Drogen holen müssen.
Angeberei mit Schmuck, Uhren und Autos: Das ganze Genre ist ein Wettbewerb darum, welcher Mann härter, reicher und krimineller ist. Gefühle zeigt man nicht, weil man ja aus dem Ghetto kommt. Frauen werden gekauft, abgewertet und benutzt. Schwule beleidigt. Judenhass ist Alltag. Und zwischendrin wird gejammert, weil man aus dem Block oder der Platte stammt und keiner einen versteht.
Mein zweites Problem: das Milieu, das diese Musik hört – und im Fall von Haftbefehl auch macht. Echte „Azlacks“, migrantische Unterschicht. Ich find diese Typen oft schwer erträglich: Jugendliche von der Straße, laut, schon als Kinder mit Macho-Gehabe, ohne Perspektive, mit einem schwierigen Frauenbild.
Viele schaffen mit Mühe einen Abschluss, Ausbildung ist selten. Manche sind streng muslimisch, verurteilen unverschleierte Frauen. Mit diesen „Babos“ habe ich nichts gemeinsam. Sie sind zu weit weg von meiner Welt. Zu roh, zu hart, zu ungebildet.
Klar, ich bin auch Halbtürkin – aber nicht aus derselben Schicht. Ich bin Bildungsbürger. Für die Jungs von der Straße wirke ich arrogant, steif und versnobt. Ich wünsche diesen Jungs trotzdem alles Gute – aber ihre Werte sind einfach nicht meine. Wieso sollte ich mich an diese Leute anbiedern?
Ich kenne ein Milieu, das sich diese Frage nicht stellt: Journalisten, Feuilletonisten und Redakteure, die Foucault zitieren, Sprechpausen bei _*Innen machen, Catcalling kriminalisieren wollen und sich bei jedem falschen Wort empören. Dieses Milieu ist so selbstgerecht, dass es kracht.
Und genau dieses Milieu stilisiert Haftbefehl jetzt zum verkannten Genie – obwohl sie keine fünf Minuten mit ihm oder seinem Umfeld aushalten würden. Der Grund: Es ist die Lust des deutschen Bildungsbürgertums, Migranten zu Teddybären zu degradieren – um die eigene Toleranz zu feiern.
So wird Haftbefehls Stil auf Wikipedia mit Begriffen wie „stimmloser velarer Frikativ“ beschrieben – gemeint ist einfach der Laut „ch“. Das Einmischen türkischer, arabischer oder kurdischer Wörter in seinen Texten wird häufig als einzigartige Kunst gelobt. Die Zeit nennt ihn den „deutschen Dichter der Stunde“ und feiert Reime wie: „Zeit ist Geld, Habibi, Tipp-Ex auf Rammstein-Vertrag, und gib mir einfach die Kopie.“ Das sei „ein Palimpsest“, heißt es.
Die FAZ vergleicht Haftbefehl mit Hemingway und Picasso. Denn: Der Kurde sei ein „Wüstling mit Tiefgang“.
Den Vogel schoss aber das ZDF ab: Auf Instagram wurde Haftbefehl als Comicfigur verniedlicht, die über mehrere Folien hinweg den Rotwelsch-Dialekt aufklärt – mit Gendersternchen (Sint*izze und Rom*ja), im Schulbuch-Ton, mit belehrenden Zeigefinger und Buch in der Hand. Kurz: Der Rapper wird akademisiert, zum Intellektuellen gemacht.
Mit Erfolg. Vor kurzem forderten Schüler aus Offenbach, Haftbefehl im Unterricht zu behandeln. Medien von „Spiegel“, über „DLF“ bis „Zeit“ berichteten wohlwollend. Begründung: Schule müsse die Lebensrealität von Migranten abbilden.
Dazu gehöre etwa Mehrsprachigkeit, soziale Ungleichheit und Integration. In Berlin soll Sido in den Lehrplan, so fordern es Schüler, weil „Faust“ und der „Zerbrochene Krug“ für Migranten zu weit weg sei.
Haftbefehl ist kein Picasso und auch kein „deutscher Denker der Stunde“. Sein Rap ist keine Hochkultur. Die Reime, Rhythmik, Bilder und Stilmittel sind literarisch banal – bestenfalls Pop, aber keine Poesie.
Eigentlich ist das absurd: An Unis werden Vorlesungen von Kant zum Problem, weil man ihm Rassismus unterstellt. In Museen werden Statuen oder Bücher mit Triggerwarnungen versehen, weil sie „koloniale Darstellungen“ enthalten. An Schulen werden Lehrer unter Druck gesetzt, wenn sie Schüler “misgendern”. Aber ein Rapper, der Gewalt, Drogen und Frauenverachtung glorifiziert, wird gefeiert – weil er ein Migrant ist.
Das perfekte Opfer für ein bequemes NarrativHaftbefehl ist das perfekte Feigenblatt für das deutsche Bildungsbürgertum. Er erfüllt das Anti-Merz-Narrativ: der arme, missverstandene Migrant, das Vorzeige-Opfer, das beweist, wie rassistisch Deutschland ist – wie krass Migranten unter dem Staat Deutschland leiden.
Ja, Haftbefehls Geschichte ist tragisch. Armut, Spielsucht und Suizid des Vaters – das erklärt viel: seine Aggression, seine Exzesse, seinen Absturz. In der Netflix-Doku wirkt er wie ein gebrochener Mann, der sich selbst zugrunde richtet.
Klar ist dennoch: Haftbefehl ist am Ende. Er hat so viel gekokst, dass seine Nase praktisch in sich zerfallen ist. Die Sucht trieb ihn bis an die Grenzen: Er fuhr zugedröhnt in ein Baklava-Geschäft, beging Fahrerflucht, brach auf Bühnen zusammen. Die Familie blieb auf der Strecke, der Rausch ging vor. Wegen der Drogen, wäre er fast gestorben. Schließlich ließ sein Bruder ihn einweisen.
Und trotzdem jubelt das Bildungsbürgertum – feiert ihn als Identifikationsfigur für junge Migranten, als Intellektuellen und neuen Goethe. Würde man das Gleiche tun, wenn er ein weißer Deutscher wäre? Wohl kaum. Denn in Deutschland gilt: Bei Migranten schaut man nicht so genau hin. Sie bleiben Opfer, egal was sie tun. Genau das ist der wahre Rassismus.
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